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Krankheiten: Scharlach

Klassifikation nach ICD-10
A38 Scharlach
ICD-10 online (WHO-Version 2006)
Himbeerzunge mit weißem Belag
Himbeerzunge mit weissem Belag

Der Scharlach ist eine akute Infektionskrankheit, die vor allem im Kindesalter von vier bis sieben Jahren auftritt. Im Gegensatz zu vielen anderen „Kinderkrankheiten“ kann man mehrfach an Scharlach erkranken. Er wird durch β-hämolysierende Streptokokken verursacht. Die Behandlung mit einem entsprechenden Antibiotikum kann den früher gefürchteten Spätkomplikationen vorbeugen.

Ursache

Streptococcus pyogenes (Papenheim-Färbung)
Streptococcus pyogenes (Papenheim-Färbung)

Scharlach wird durch Streptokokken der Lancefield-Gruppe A ausgelöst (v.a. Streptococcus pyogenes). Diese müssen einen Bakteriophagen besitzen, der für die Produktion des Scharlach-Toxins verantwortlich ist. Ansonsten kommt es nur zu einer banalen eitrigen Mandelentzündung. Es gibt mehrere Serotypen dieses Bakteriophagen, von denen jeder einzelne eine Erkrankung auslösen kann. Deshalb können Menschen im Lauf des Lebens mehrfach an Scharlach erkranken. Die Ansteckung erfolgt durch Tröpfchen- und Kontaktinfektion über Mund und Rachen. Auch über offene Wunden kann der Erreger übertragen werden (Wundscharlach). Viele Gesunde tragen unbemerkt den Keim in sich und sind die primäre Infektionsquelle.

Symptome

periorale Blässe
periorale Blässe
Schuppung der Haut an den Fingerkuppen
Schuppung der Haut an den Fingerkuppen

Die Krankheit beginnt nach einer Inkubationszeit von zwei bis vier Tagen typischerweise mit Fieber, Schüttelfrost, Erbrechen und einer Rachenentzündung, kann aber auch von Bauch- oder Kopfschmerzen begleitet sein. Der Rachen ist dabei typischerweise tiefrot, und die Gaumenmandeln sind geschwollen (Scharlach-Angina). Es kommt zu Schluckschmerzen und Schwellung submandibulärer Lymphknoten. Die Zunge ist zunächst weiss belegt, später lösen sich die Beläge, und die Zunge erscheint glänzend rot mit hervorstehenden Geschmacksknospen. Dies wird als Erdbeer- oder Himbeerzunge bezeichnet.

Nach einem bis vier Tagen zeigt sich der charakteristische Ausschlag mit juckenden, dicht beieinander stehenden, stecknadelkopfgrossen, intensiv rotgefärbten leicht erhabenen Flecken. Bevorzugte Stellen sind die Achseln und die Leisten, es kann aber auch der ganze Körper befallen sein, allerdings bleibt das Mund-Kinn-Dreieck frei. Diese periorale Blässe wird auch als Milchbart bezeichnet. Etwa 14 Tage nach Beginn kann es zu einer ebenfalls charakteristischen Schuppung der Haut an den Finger- oder Zehenkuppen oder auch an den gesamten Handflächen und Fusssohlen kommen. Dadurch lässt sich manchmal die Diagnose auch noch im Nachhinein stellen.

Das Auftreten eines solchen scarlatiniformen Exanthems beweist noch nicht, dass der Betroffene an Scharlach erkrankt ist, obwohl alle an Scharlach erkrankten diese Form des Ausschlags aufweisen. Auch viele andere Erkrankungen, allen voran diverse Viruserkrankungen, sowie allergische Reaktionen auf Medikamente oder andere Substanzen können einen solchen Ausschlag zur Folge haben.

Der Verlauf dieser Krankheit kann sowohl schwer, also mit starken Schmerzen, hohem Fieber und deutlichen Ausschlägen, aber auch leicht ausfallen, wobei lediglich leichte Halsschmerzen und wenige Auffälligkeiten auftreten. Scharlach kann auch ohne Fieber, rote Zunge und Ausschlag auftreten, sodass er nicht immer als Scharlach erkannt wird. Immer ist jedoch eine Mandelentzündung oder - falls die Mandeln schon entfernt wurden - eine Rachenentzündung vorhanden.

Behandlung

Scharlach spricht gut auf eine Behandlung mit Penicillin an. Wegen des erhöhten Risikos von Komplikationen bei unbehandelten Verläufen sollte diese Therapie auch konsequent zehn Tage lang durchgeführt werden. Liegt eine Penicillin-Allergie vor, kann auf ein Makrolidantibiotikum wie Erythromycin oder Clarithromycin ausgewichen werden. Daneben gehören zur Behandlung symptomatische Massnahmen, wie Fiebersenkung, Linderung der Schluckbeschwerden durch Gurgeln oder lokal schmerzstillende Lutschtabletten.

Eine Schutzimpfung gegen Scharlach existiert nicht.[1]

Geschichte

Scharlach war und ist eine der gefährlichsten Infektionskrankheiten, die der Mensch im Laufe seiner Geschichte erleben musste. Auch in die Belletristik fand diese heimtückische Krankheit Eingang: Um 1830 entstanden die Kindertotenlieder des Dichters Friedrich Rückert, nachdem zwei seiner Kinder an Scharlach verstorben waren.

Seit rund zwanzig Jahren sind auch penicillinresistente Variationen dieser Streptokokken dokumentiert, und speziell in den Schwellenländern im Osten ist der Scharlach wieder regelmässig epidemisch im Vormarsch.

Komplikationen

Als Komplikationen gefürchtet sind vor allem die sogenannten Streptokokken-Nacherkrankungen: die Poststreptokokken-Glomerulonephritis, das rheumatische Fieber mit rheumatischer Endokarditis. Dabei handelt es sich um immunologische Erkrankungen durch die Abwehrreaktion des Immunsystems gegen die Scharlach-Erreger, die etwa vier bis sechs Wochen nach Erkrankung auftreten können.

Ferner gibt es Hinweise darauf, dass die Streptokokken-Infektion zu neuropsychiatrischen Autoimmunerkrankungen, führen kann. Siehe PANDAS, Tourette-Syndrom, Chorea minor.

Des Weiteren kann das gefährliche Streptokokken-Toxic-Shock-Syndrome auftreten, sollten die Erreger in die Blutbahn gelangen.

Eine Immunität wird nur gegen das Toxin erzeugt, das bei der abgelaufenen Infektion vorherrschend war. Daher sind mehrfache Erkrankungen an Scharlach möglich.

Auch ist in der Umgebung des mit dem Scharlach-Bakterium Streptococcus pyogenes infizierten Patienten/in äusserste Vorsicht bei durch Pilzen geschwächter Haut und mit offenen Wunden geboten – dies gilt auch für harmlose Schürfwunden, da der Erreger das Erysipel verursacht. Dies ist eine gefährliche Infektion der Unterhaut (Subcutis).

Sonstiges

für Deutschland:

In den Bundesländern Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Bayern und Thüringen sind alle Erkrankungen an Scharlach meldepflichtig. Des Weiteren dürfen sich gemäss § 34 des Infektionsschutzgesetzes, an Scharlach und Streptococcus-pyogenes Erkrankte sowie einer Infektion verdächtigte Personen nicht in Gemeinschaftseinrichtungen (z.B. Schulen) aufhalten.


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