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Medikamente: Biguanide Biguanid Derivate

Biguanid-Derivate sind eine alte Gruppe von Arzneistoffen, die zur Behandlung von Diabetes mellitus Verwendung finden. Ihre Bedeutung als sogenannte orale Antidiabetika hat seit der Entwicklung neuerer Wirkstoffe stark abgenommen. Einzig Metformin wird heute noch zur Behandlung von Diabetes Typ 2 verwendet. Biguanide sind strukturell sehr nahe mit Galegin verwandt, einem Inhaltsstoff von Galega officinalis. Diese Pflanze fand über hunderte Jahre in der Volksmedizin für verschiedene Leiden Verwendung und wirkt auch blutzuckersenkend.

Vertreter

Wirkung und Verwendung

Biguanide senken beim Diabetiker den Blutzuckerspiegel ohne Einfluss auf den Insulinhaushalt. Sie wirken ausserdem appetitzügelnd. Metformin wird beim Typ-2-Diabetes eingesetzt. Besonders bei übergewichtigen Patienten ist es eine Alternative zu den Sulfonylharnstoffen, da diese oft zu einer Gewichtszunahme führen.

Wirkungsmechanismus

Die Wirkung der Biguanide setzt sich offenbar aus dem Zusammenspiel mehrerer Mechanismen zusammen, die noch nicht zur Gänze geklärt sind. Im Gegensatz zu anderen oralen Antidiabetka setzt die blutzuckersenkende Wirkung erst nach mehreren Tagen ein. Bei gesunden Patienten hat die Gabe von Biguaniden einen geringeren Einfluss auf den Blutzuckerspiegel.

Die einzelnen Biguanide unterscheiden sich bezüglich der Wirkungsmechanismen, woraus Unterschiede in der Wirksamkeit und den unerwünschten Wirkungen abgeleitet werden können.

Unerwünschte Wirkungen

Der komplexe Wirkmechanismus der Biguanide führt zu teilweise schweren Nebenwirkungen. Häufig kommt es zu gastrointestinalen Beschwerden wie Durchfall, Übelkeit, Erbrechen. Mehrere Fälle von Laktatacidosen, die teilweise tödlich endeten führten dazu, dass Arzneimittel, die Phenformin als Wirkstoff enthielten, 1977 in den USA aus dem Handel genommen wurden. In Deutschland folgte der Entzug der Zulassung für Phenformin und Buformin 1978, nachdem diese Arzneistoffe über 20 Jahre zur Standardtherapie bei Diabetes gehörten. Das deutlich weniger lipophile Metformin, welches weniger stark in die Atmungskette einzugreifen scheint, unterliegt bei Beachtung der Kontraindikationen einem geringen Laktatacidoserisiko.

Resümee

Biguanide besitzen gegenüber anderen oralen Antidiabetika den Vorteil, dass sie nicht appetitfördernd wirken. Metformin wird daher gerne bei Diabetespatienten mit Übergewicht angewendet. Um einen vergleichbaren blutzuckersenkenden Effekt zu erzielen, sind jedoch hohe Dosen nötig. Die Tatsache, dass Biguanide rigorosen Kontraindikationen unterliegen, schränkt den Kreis der Patienten, bei denen sie angewendet werden dürfen, stark ein. So dürfen nur Patienten mit Metformin behandelt werden, deren Nieren und Leberfunktionen nicht eingeschränkt sind. Auch Herz-Kreislauf-Störungen und besondere Belastungen des Körpers wie Infektionskrankheiten, Operationen und Schwangerschaft sowie fortgeschrittenes Alter sprechen gegen den Einsatz von Metformin. Dies führte bereits dazu, dass das einzige noch im Handel befindliche Biguanid meist nur Mittel der zweiten Wahl zur Behandlung von Diabetes Typ 2 war. Nach Veröffentlichung einiger grosser Studien jedoch wird es seit den späten 1990er-Jahren bei vielen Typ 2 Diabetikern als Mittel der ersten Wahl eingesetzt. Es senkt den Blutzucker, verhindert und vermindert Schäden an den Blutgefässen, wirkt günstig auf die Fettleber und vermindert das Risiko, Bauchspeicheldrüsen- und Leberkrebs zu bekommen. Ebenso wird das Schlaganfallrisiko deutlich vermindert. Ohne offizielle Zulassung wird Metformin in der Frauenheilkunde beim Polyzystischen Ovar-Syndrom erfolgreich angewendet.[1]


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