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Abführmittel

Abführmittel, Laxativa oder Laxantien sind Arzneimittel, die die Stuhlentleerung beschleunigen. Sie werden gegen Obstipation, nicht aber bei vorliegendem Ileus eingesetzt.

Laxativa sind die Mittel der Wahl, wenn eine Verstopfung nicht mehr durch eine Umstellung der Lebensgewohnheiten behandelt werden kann. Eine bewusste Ernährung mit Ballaststoffen, viel Gemüse und mindestens zwei Liter Flüssigkeit pro Tag und ein gemässigtes Sportprogramm helfen meist, die Verdauung zu normalisieren. Erst bei Versagen dieser Massnahmen ist die Einnahme von Laxantien angezeigt, wobei darauf geachtet werden sollte, so wenig wie möglich einzunehmen und zum Arzt gehen, wenn die Symptome sich innerhalb einer Woche nicht bessern.

Wirkprinzipien der Abführmittel

Bei Abführmitteln wird die Wirkung meistens dadurch erzielt, dass sie das Stuhlvolumen innerhalb des Darms vergrössern. Dadurch wird auch der Druck auf den Darm grösser und dieser reagiert mit der Auslösung von Wellenbewegungen (Darmperistaltik), die den Speisebrei weiter in die gewünschte Richtung schieben.

Im Einzelnen kommen folgende abführend wirkende Prinzipien zur Anwendung:

Medizinische Anwendung von Abführmitteln

Als medizinisch sinnvoll werden Abführmittel angesehen,

Andere Anwendungen von Abführmitteln

Laxantien werden häufig zum „Abnehmen“ missbraucht. Der erzielte Gewichtsverlust, der nach dem Gang zur Toilette auftritt, bewegt viele Menschen zu denken, man würde an Körpergewicht verlieren. Tatsächlich besteht der Unterschied in den Gewichten "vorher" und "nachher" nur in Wasserverlusten, da das Wasser hauptsächlich die Volumenzunahme und damit den Abführeffekt bewirkt. Trinkt man "hinterher" wieder ein Glas Wasser, wird das Wasser sofort wieder eingelagert und der Effekt ist passé. Sport und eine gezielte Ernährung sind eine bessere Methode, unfreiwillig eingelagertes Wasser wieder los zu werden. Wenn allerdings Wasser aufgrund einer Herzinsuffizienz eingelagert wurde, ist eine ärztliche Beratung unabdingbar, da Abführmittel eine zum Teil lebensbedrohliche Verschlechterung bewirken können (s. u.). Menschen, die Abführmittel zum Abnehmen einnehmen, zeigen oft suchtartige Tendenzen und sollten deshalb mit ihrem Arzt oder Apotheker sprechen oder Hilfe in Suchtberatungsstellen suchen.

Abführmittel werden gerne im Frühjahr zum Entschlacken eingesetzt. Ziel soll hierbei sein, den Körper von angesammelten Schlacken zu befreien und ihm hiermit die Möglichkeit zur Regeneration zu geben. Oftmals leitet das Entschlacken eine Fastenzeit ein. Die Befreiung von körperlichem Ballast wie dem Kot wird hier als Aufbruchsignal für die Fastenwoche gesehen. Meist werden hierfür so genannte salinische Abführmittel wie Glaubersalz oder Bittersalz benutzt. Auch hier sollte man einen Arzt befragen, da diese bei Einnahme dieser Mittel schwere Nebenwirkungen wie Blutdruckabfall, Muskelschwäche bis hin zu Reflexausfällen auftreten können. Ebenso können diese Mittel die Wirkung von anderen Medikamenten, beispielsweise Herzmittel, Blutdrucksenker oder Antibiotika, stören[1].

Viele, vor allem ältere Menschen, sind zudem der Meinung, man müsse jeden Tag mindestens einmal Stuhlgang haben. Dabei wird aber aus medizinischer Sicht alles zwischen dreimal täglich und dreimal wöchentlich als normal angesehen. Gerade ältere Leute, die oftmals krankheitsbedingt nicht in der Lage sind, sich viel zu bewegen und normalerweise weniger und weniger ausgewogen essen, nehmen Laxantien ein, da sie meinen, an Verdauungsstörungen zu leiden. Allerdings dauert es, bis ein entleerter Darm wieder ausreichend gefüllt ist, um einen Defäkationsreflex auszulösen. Deshalb wird dann wieder ein Laxans genommen, was über kurz oder lang zu einer Gewöhnung führt, bei der der Darm sich schliesslich nicht mehr selbständig entleeren kann und so von den Abführmitteln abhängig wird. Diese Abhängigkeit von Abführmitteln kann weitere Probleme mit sich bringen. Bei Einnahme von starken Abführmitteln wie Bisacodyl oder Natriumpicosulfat aber auch bei den oft auch vom Hersteller verharmlosten pflanzlichen Präparaten wie Sennesblättern oder Flohsamenschalen, noch schlimmer jedoch anthrachinonhaltige Drogen wie Faulbaumrinde, Kreuzdornbeeren oder Kap-Aloe, werden dem Körper neben Wasser auch Elektrolyte wie Natrium- und Kaliumionen entzogen. Dieser braucht die Ionen jedoch für die Polarisation der glatten Muskulatur im Darm, damit dieser seine Motilität erhält. Fehlen sie, wird der Darm träge, es kommt zu einer erneuten Obstipation, gegen die wiederum Laxantien eingenommen werden: ein Circulus vitiosus entsteht. Zusätzlich können Anthrachinoide Darmkrebs auslösen [1]

Da ein laxantieninduzierter Elektrolytverlust die Funktionsweise von Muskelzellen (Depolarisation des Membranpotentials) stark beeinträchtigt, kann die Einnahme bei Patienten mit Herzinsuffizienz lebensgefährliche Komplikationen führen, da die Symptome verstärkt werden und eine Medikation z. B. mit Digitalisglykosiden nicht mehr ausreicht.

Geschichte

Abführmittel sind seit 2.500 v. Chr. bekannt. In Mesopotamien und im Alten Ägypten wurde das aus dem Samen des Wunderbaums gewonnene Rizinusöl für diese Zwecke eingesetzt. Die Assyrer kannten um 1500 v. Chr. neben der Verwendung ballaststoffreicher Nahrungsstoffe wie beispielsweise Kleie auch saliner Abführmittel, die den Wassergehalt des Darmtraktes erhöhen.

Siehe auch: Frankfurter Pillen

Bekannte Abführmittel

Was man vor der Einnahme von Abführmitteln beachten sollte

Zuerst sollte die Ernährung umgestellt und versucht werden, ein wenig Sport zu treiben; hierunter zählen auch Spaziergänge von einer halben bis zu einer Stunde.

Ist dies erfolglos, sollten zunächst Ballaststoffe ausprobiert werden, wobei zu beachten ist, dass zusätzlich viel Flüssigkeit zugeführt wird, da sonst der gegenteilige Effekt eintritt. Als ausreichende Menge gelten zwei Gläser Wasser mehr am Tag.

Tritt trotzdem kein Erfolg auf, ist ein Gespräch mit dem Hausarzt vonnöten, da dieser feststellen kann, ob ein Darmverschluss vorliegt. Ausserdem kann er besser entscheiden, welches Abführmittel im Folgenden das Beste ist, weil Laxantien viele Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln eingehen können. Deshalb ist es bei Patienten mit Dauermedikation wichtig, dass dem Arzt zumindest von der Einnahme eines Abführmittels berichtet wird.

Abführmittel sollten nicht zum Abnehmen benutzt werden; Ernährungsumstellung und Sport bringen hier mehr. Abnehmen per „Diätpille“ funktioniert in den allermeisten Fällen nicht, auch wenn es für den Patienten bequemer ist. Präparate mit Orlistat können gefährliche Nebenwirkungen haben und sind deshalb verschreibungspflichtig; die gesetzliche Krankenkasse zahlt diese Therapie nicht. Ein ständig herbeigeführter (auch leichter) Durchfall kann zu gefährlicher Dehydration führen. Bei hohen Temperaturen besteht schneller Lebensgefahr, als man gemeinhin glaubt. Im heissen Sommer 2003 mit Temperaturen bis zu 40 Grad wurde regelmässig vor der Einnahme von Abführmitteln -selbst zum bestimmungsgemässen Gebrauch- gewarnt, dennoch gab es einige Todesfälle.

Abführmittel sollten nicht über mehr als drei Stuhlgänge hintereinander eingesetzt werden. Hat sich die Verdauung bis dahin nicht normalisiert, besteht Verdacht auf eine ernsthafte Erkrankung, weshalb der Arzt aufgesucht oder zumindest darüber informiert werden sollte. Zudem besteht bei langfristiger Einnahme die Gefahr einer Gewöhnung, bei der der Körper sich nicht mehr selbst helfen kann.

Das Abführmittel ist individuell auszuwählen, wobei „sanfte“ Abführmittel wie Ballaststoffe oder Zuckeralkohole wie Mannitol oder Lactulose am verträglichsten sind und die geringste Gefahr bergen. Schwangere sollten unbedingt ihren Arzt oder Apotheker fragen, weil der Elektrolytverlust sich negativ auf die Entwicklung des Fötus auswirken kann.

Einzelnachweise

  1. a b http://www.gesund-heilfasten.de/Abfuehrmittel.html
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